Aufstellung in Europa

Wie ist Amazon in Europa aufgestellt?

Amazon gibt es seit 1994, der heutige Online Shop Gigant begann als Buchhändler.

Das Internet begann sich zu diesem Zeitpunkt gerade als Massenmedium zu entwickeln, der damals 30-jährige Informatiker Jeff Bezos erkannte den Trend und gründete im US-Bundesstaat Washington den heutigen Weltkonzern als Online-Bookstore. Inzwischen ist das börsennotierte Unternehmen weltweit aufgestellt, verkauft alle möglichen Waren (demnächst vielleicht sogar Autos), beschäftigt über 351.000 Mitarbeiter und setzt jährlich rund 136 Milliarden Dollar um.

Erfolgsgeschichte und internationale Präsenz des Konzerns

Ab 1995 konnte Bezos online die ersten Bücher verkaufen (damaliges Sortiment: rund eine Million Titel), schon 1997 ging er mit der Firma an die Börse, ab 1998 expandierte er auf den britischen und gleich darauf auf den deutschen Markt. Gleichzeitig erweiterte er beständig sein Warenangebot, heute sind auf der Online-Plattform rund 150 Millionen Produkte erhältlich – all das, was wir im Alltag benötigen. Nach wie vor sind Bücher, CDs und DVDs sehr stark vertreten, die Amazon-Geschäftsführung gibt an, in diesem Sektor global führend zu sein. Der Erfolg war allerdings keine Einbahnstraße, denn im Jahr 2000 platzte die Dotcom-Blase, alle Unternehmen mit einem reinen Online-Geschäftsmodell verloren Geld und Aktienkapital. Jeff Bezos musste drei Milliarden Dollar Verlust hinnehmen, die Aktie fiel von 100 auf nur noch 10 Dollar. Den erneuten Aufschwung schaffte der Konzern durch Wettbewerbsvorteile, die nur mittelbar mit dem Online-Geschäft zusammenhängen: Die Logistik ist – beginnend beim sehr leichten Bestellprozess für die Kunden – exzellent. Sie stößt auch auf Kritik, denn die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren sind sehr hart, Tarifverträgen unterwirft sich das Unternehmen nicht. Doch wir als Käufer finden eben alles im Onlineshop und können es mit einem Klick und dazu preiswert bestellen, die Bezahlung und die Lieferung funktionieren zuverlässig. Jeff Bezos konnte sich die 1-Click-Bestellung in den USA sogar (mit leichten Einschränkungen) patentieren lassen, das Europäische Patentamt (EPA) allerdings lehnte den entsprechenden Antrag ab. Die herausragende Logistik will Bezos weiter ausbauen, wobei er innovativ vorgeht und alle Bestandteile der Kette von der Suchmaschinenoptimierung über das Warenangebot, die Preise, den Bestellprozess und die Kundendatenverwaltung bis zur ausgefeilten Lagerhaltung und der Kooperation mit Paketdiensten perfektioniert hat. Das Unternehmen ist auf dem Weg an die Weltspitze, allerdings noch nicht in allen Bereichen dort angekommen: Der chinesische Alibaba Marktplatz ist (noch) größer. Jeff Bezos expandierte eher behutsam. Von der Konzernzentrale in Seattle (Bundesstaat Washington) aus eroberte er der Reihe nach den US-amerikanischen, britischen, deutschen und dann europäischen Markt, die europäische Unternehmenszentrale hat ihren Sitz in Luxemburg. Online ist der Versandhändler mit länderspezifischen Webseiten in den USA, Großbritannien, Kanada, Deutschland (auch für Österreich und die Schweiz), Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Australien, Brasilien, Japan, China, Indien, Mexiko und seit 2016 Polen vertreten. Bei unseren östlichen Nachbarn gab es schon seit 2014 Logistikzentren.

Amazon setzt verstärkt auf Polen

Der Online Shop Amazon Polska ist nur der eine Teil des polnischen Engagements, der andere Teil betrifft die vielen Logistikzentren und Mitarbeiter im Land. Stettin unweit der deutschen Grenze wird zum Schwerpunkt des Versands ausgebaut, woraus eine mögliche Zielrichtung hervorgeht: Von hier aus könnte zumindest der nordöstliche deutsche Markt gut beliefert werden. In Polen ist das Lohnniveau niedriger, was zu den niedrigen Preisen passt. In Europa beschäftigt der Konzern aktuell etwas über 40.000 Mitarbeiter, nach einer weiteren Aufstockung in Polen dürften dort rund 13 Prozent aller europäischen Kollegen arbeiten. Zum im Aufbau befindlichen Stettiner Auslieferungslager gibt es jetzt schon Logistikzentren bei Breslau und Posen, ein Technologie- und Entwicklungszentrum in Danzig und das Web Services Büro in Warschau. Dabei schafft der Konzern in Polen auch hoch qualifizierte Arbeitsplätze im IT-Bereich, was zur hervorragenden Ausbildung der dortigen Studenten passt. Die polnische Hochschullandschaft gehört in diesem Sektor zur Weltspitze.

Autos von Amazon?

Im Juni 2017 wurde bekannt, dass der Händler tatsächlich plant, Autos im Online Shop zu verkaufen. Das gibt es bereits, der große chinesische Konkurrent Alibaba führt Kraftfahrzeuge im Angebot. Allerdings kaufen nur 16 Prozent aller Autokäufer einen Neuwagen online – trotz teilweise gigantischer Rabatte der Händler. Auf diesen nächsten Schritt der Geschäftsleitung dürfen wir daher gespannt sein.